Bräute, Bräutigame, Schwiegermütter & Co.

Waren es früher unsichere Bräutigame im Schlepptau von Müttern oder Trauzeuginnen die zu ihrem Floristen des Vertrauens kamen um sich beraten zulassen.

Sind es heute Bräute bewaffnet mit Magazinen und Bildern von etlichen Hochzeitswebseiten und Facebook Gruppen, auf der Schnäppchenjagt zum einholen von einer Vielzahl von Angeboten.

Vieles verändert sich mit der Zeit, waren es früher aufwendig gearbeitete Brautsträuße, sind es heute ein Abklatsch von Bilder. Die Braut von heute sieht nicht mehr den Brautstrauß als das i-Tüpfelchen zu ihrem Hochzeitsoutfit, der perfekt zu ihr und Kleid passen muss, sondern nur er gehört halt dazu. Es werden hunderte von Euro für das perfekte Kleid ausgeben, Maß gefertigt aber der Strauß darf nichts kosten. Wo er doch auch von uns Floristen Maß gefertigt wird mit liebe zum Handwerk in Präzisionsarbeit, keine Blüte kein Blatt das nicht so liegt wie der Künstler und Florist es sich vorstellt. Ja der Brautstrauß der einzige Strauß im Leben einer Frau der zu diesem besonderen Tag von Künstlerhand/ Floristen Hand meisterhaft gefertigt wird und er darf nichts kosten.

Er verroht zu einem billigen Abklatsch seiner selbst.

In vielen Hochzeitsratgebern und Facebook Gruppen wird geraten zu einem Blumenladen zu gehen und sich einen „normalen“ Strauß zu bestellen ohne das Wort Hochzeit zu nennen, da man dann von einem überteuerten Preis ausgehen kann wenn Braut sagt es ist ein Brautstrauß. Ja gut ok, dann bitte liebe Bräute geht auch zum Brautmoden Geschäft kauft ein Kleid und sagt es ist für einen Ball oder Party, stimmt ich vergaß das machen schon viele. In Geschäfte gehen massenhaft Kleider anprobieren, beraten lassen um sie später im Internet zu bestellen, warum?

In vielen Branchen ist es mittlerweile Gang und gebe, sich ausgiebig beraten zu lassen um dann doch es weit aus billiger im Internet zu bestellen und das Wort billig meine ich auch so, denn die Sachen sind billig und werden billig produziert in Asien, auf Kosten von billigen Arbeitskräften. Dazu brauchen diese Anbieter keine Laden Miete bezahlen, zahlen hier keinen Lohn für Angestellte die Kunden beraten, keine Steuern oder Krankenkasse, keine Berufsgenossenschaft, keine Versicherung. Das übernehmen hier nette Kleinunternehmen die ihre Kunden beraten und umsorgen, die damit sie leben besser gesagt überleben diese Preise brauchen.   Mich verwundert es nicht, wenn diese Betriebe und Unternehmer dazu übergehen sich diese Beratung bezahlen zu lassen und beim Kauf oder Vertragsabschluss den Betrag wieder gut zu schreiben, keiner kann davon leben freundlich zu lächeln.

 

Ich schweife ab auch wenn es mir auf der Seele brennt, kommen wir zurück zum Brautstrauß, nun bestellt die Braut von heute sich einen „normalen“ Strauß beim Floristen, der dann am Hochzeitstag auch „normal“ aussieht genauso wie ein Strauß aussieht den man seiner Oma oder Mutter zum Geburtstag mitbringt. Wow auf jedem Foto das sich das Paar dann Jahre lang anschaut ist dieser nichts sagende Strauß zu sehen und jeder denkt tolles Kleider aber der Strauß sieht aus wie von Omas Kaffeetisch genommen.

 

Und genauso verhält sich es mit der Tischdekoration, mussten wir früher drauf achten das die Blumen in der Tischdekoration sich ja nicht beißen mit der Tischwäsche oder den Kerzen. Werden heute wenn überhaupt einzelne Blüten gekauft in selbst beklebten Einmachgläser geprobt und als „wie selbst gepflückt“ angepriesen. Ist es doch das A und O einer schönen Tafel sie mit frischen harmonisch zusammen gestellte Blumen zu dekorieren, dazu gesellen sich Kerzenleuchter Stoffservietten und feines Porzellan und Gläsern. Man setzt sich als Gast an eine reich geschmückte Tafel an der man sofort die Wertigkeit des Tages erkennt und sich als Gast willkommen fühlt.

Und nicht an einen Tisch wie zu einem Grillabend mit Freunden, in der Mitte eine Holzscheibe mit Kerze und Drumherum Einmachgläser mit Blumen „wie aus dem Garten gepflückt“.

Schade es verliert dieser Tag immer mehr an Wertigkeit, aus dem Brautstrauß wird ein „ normaler „ Strauß , das Kleid wird im Internet aus Asien bestellt , auf die Tische kommen Einmachgläser und Holzscheiben, dafür gibt es eine Candybar mit Muffins anstelle der Hochzeitstorte, eine Fotokabine für Selfies und das Handy spart den Fotografen, eine Playlist vom PC anstelle von Live Musik , ich vergaß fast die Freudentränentücher die Tage lang mühevoll mit Initialen beklebt wurden, die Weddingstäbe mit Tüll Band und Glöckchen oder die Badelatschen in Rosa mit Strasssteinen für müde Frauenfüße und die Stuhlhussen mit riesigen Schleifen.

 Und alles ist Vintage oder hat ein anderes Motto, wo ist da die Hochzeit zweier Menschen die sich dazu entschieden haben gemeinsam ihr Leben zu verbringen. Das Fest wo die Liebe gefeiert wird? Natürlich findet man hier und dort vor allem in ländlichen Gegenden, im Süden oder auch hoch im Norden unserer Republik festliche Hochzeiten wo noch Wertigkeit zum Ausdruck gebracht wird, wo noch Hochzeit gefeiert wird und keine Gartenparty.

 

Zu diesem Thema eine kleine Anekdote. Mutter im Schlepptau die Braut betritt mit sorgen voller Mine unser Geschäft. Ihre Tochter will heiraten aber sie hat weder Kleid noch Lokal oder sonst irgendwas ob wir helfen können. Die Braut hin gegen macht einen Augenaufschlag und ist sichtlich genervt.“ Mutter ich habe doch gesagt es wird alles ganz locker nach der Trauung findet eine Rally statt und zum Schluss treffen wir uns im Garten zum grillen.“  Mit Blumen könne sie eh nichts anfangen. Wir fanden einen Kompromiss kleiner dezenter Brautstrauß und eine kleine Deko in einem kleinem Lokal in der Nähe der Kirche wo sich nach der Trauung die älteren Gäste die keine Rally mitmachen treffen. Und auch wenn es nicht im Sinne der Braut war fanden sich am Schluss alle Gäste in dem kleinem Lokal ein und keiner ging auf Rally quer durch die Stadt. Moral der Geschichte es ist eine Hochzeit ein Fest und kein Kindergeburtstag.  

 

Ich weiß dieser Text ist sehr kritisch und kontrovers aber es brannte mir auf der Seele nach über 30 Jahren in diesem von mir geliebten Beruf in dritter Generation und des immer weiter zunehmenden Verlustes von Kultur und Wertschätzung des Handwerkes, dieses zu schreiben und diesen überhaupt Blog an zu fangen. Und ich weiß das ich hier einigen Kollegen aus der Seele schreibe, es muss sich etwas tun in unserer Gesellschaft sonst haben wir nur noch Baumärkte, Ramschläden und Discounter die billigen Blumen aus Kenia und Äthiopien verkaufen und Bräute die selber basteln.  

 

 

 

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